Serie 2019: Natural Technology

Einleitung und Vorstellung der Arbeiten

Mit Stichtag 10. April 2019 sind im Laufe von 4 Monaten 6 von 13 geplanten Gemälden aus der Serie „natural technology“ fertiggestellt:
3 Gemälde im Format von 120 x 90 cm (Hauptserie) und
3 im Format 50 x 50 cm (Herzserie, Nebenserie) – alle gemalt in Acryl auf Leinwand.

Geplant sind noch 5 weitere Gemälde im Format 120 x 90 cm aus der Hauptserie, sowie zusätzlich noch 2 Gemälde, 50 x 50 cm, aus der Herzserie (Nebenserie).

Überblick über die vorgestellten Arbeiten (Ansicht: Länge x Breite)
Serie der großen Gemälde (Hauptserie):

1) 120 x 90 cm – „life touch“
2) 90 x 120 cm – „peak oil“
3) 120 x 90 cm – „Spinnenlillien“

Herzserie (Nebenserie):

4) 50 x 50 – „heart 1 „
5) 50 x 50 – „aus den Tiefen2“
6) 50 x 50 – „heart3 – instrument“

2. Nebenserie: „Cyborgs“

Thema

Inspiriert von Leonardo da Vincis Studien der natürlichen und der daraus abgeleiteten technischen Formen und deren Gesetzmäßigkeiten wollte ich unter Anwendung derselben Methodik – der Beobachtung der Natur – den Aufbau und die Funktion des Menschlichen Körpers näher kennen lernen.

Im Laufe meiner anatomischen Studien vor lebensgetreuen Wachsmodellen im Josephinum Wien vertiefte sich mein Verständnis für den menschlichen Organismus als Produkt der natürlichen Entwicklung und Anpassung und seiner Verwandtschaft mit allem Lebendigen auf unserem Planeten.
Gleichzeitig erwachte die Fragestellung nach der Unterscheidung des Menschen zwischen allen anderen Formen des Lebens und der Besonderheit seiner Eigenschaften als selbstbewusst denkendes, erfahrendes, erinnerndes und schöpferisches Wesen.

Daraus resultierte die Konzentration auf die Ebene der Abstraktion, der Ideen und des Bewusstseins, welche den Menschen im Besonderen auszeichnet; sowie die malerische Suche nach dem energetischen Kern, welcher dem Menschen und insbesondere allem Lebendigen zugrunde liegt.

Wie Heraklit bereits lehrte, kann man nie zweimal in denselben Fluss steigen, alles Lebendige befindet sich im Werden und Vergehen, dies impliziert eine ständige Bewegung, andauerndes Atmen, Fließen bis die Energie sich verbraucht, die alte Form verlässt und sich zu neuen Formen wandelt.
Die Energiebahnen sind bei genauer Beobachtung lebendiger Körper mit geschultem Auge erkennbar: beim Menschen haben bereits alte chinesische Meister die Meridiane und die feinen energetischen Flüsse des Körpers zu behandeln gewusst.
In der Natur erkennt man immer wieder kehrende Formen: Sterne, Spiralen, Ellipsen, perfekt ausgerichtete, unendlich formvariable Mandalas der Schneeflocken, Mandalas treten auch bei der Sichtbarmachung des Tons auf, Fraktale, kristalline Gebilde, welche die Natur scheinbar mühelos zu bilden vermag. Die Kunstschaffenden oder Wissenschaftler jedoch, wollen sie diese Gebilde nachvollziehen, so müssen sie sie mühevoll entschlüsseln. Die Natur hingegen kann nicht anders, sie bedient sich der Gesetzmäßigkeiten, nach denen sie gebaut ist – diese scheinen komplex und doch systematisch erfassbar zu sein.
Ähnlich den Alchemisten vergangener Zeiten, die stets auf der Suche nach dem heiligen Gral waren – der Formel, welche die Naturgesetze zu subsumieren vermag, sie alle zusammen zu führen – das Siegel, welches die Gesetzmäßigkeiten aller Dinge in sich birgt, verspürte auch ich bei meinen Naturstudien die Inspiration, die Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur, dem Bewusstsein und der Technik, soweit es mir möglich ist, malerisch darzustellen.

Leonardo Da Vinci hat, der antiken Tradition folgend, die Aufmerksamkeit der Welt wieder auf die Proportionslehre gelenkt, vor ihm hat Platon die mathematische Komponente der Natur in seinen platonischen Körpern bemerkt. Einem ähnlichen Gedanken folgend möchte ich auf eine intuitive Art und Weise in meinen Gemälden die Aufmerksamkeit des Betrachters auf eine Ebene lenken, die aus der bloßen Betrachtung der alltäglichen materiellen Formen herausragt und eine Brücke bildet zu einer Betrachtungsweise der Zusammenhänge alles Lebendigen, inklusive unseres Planeten im Verständnis als Organismus.

Angelehnt an Carl Gustav Jungs Vorstellungen könnte man einige Gemälde der Serie als archetypisch bezeichnen. Sie stellen bestimmte Stadien des Erkennens dar und haben mehrere Bedeutungs- und Interpretationsebenen. Im Nachfolgenden findet der Leser Ansätze zu möglichen Gedankengängen in Anbetracht der Gemälde, ist jedoch selbst aufgefordert, sich seine eigenen Erklärungen zu finden.

3 Gemälde der Hauptserie: „life touch“, „peak oil“ und „Spinnenlillien“

life touch Katharina Teresidi

life touch, acrylic and crayon on canvas, 120 x 90 cm, 2019

Erinnernd an Michelangelos Fresko „Die Erschaffung Adams“, im Hinterkopf jedoch Leonardo Da Vincis „Johannes der Täufer“ behaltend, welcher auf das Unsichtbare, Unassprechliche zeigend nach Oben in ungewisse Höhen verweist, entstand das Gemälde „life touch“, welches an die Vergänglichkeit der materiellen Welt erinnert und daran, dass das Leben konkreten Gesetzmäßigkeiten unterworfen zu sein scheint, welche durch die spiralförmige Struktur der goldenen Sonnenblume auf der lichten Seite des Gemäldes versinnbildlicht werden.

life touch detail1 Katharina Teresidi

life touch, detail

Studien im Josephinum Wien

Das Josephinum wurde von Kaiser Joseph II als medizinisch-chirurgische Militärakademie gegründet und 1785 nach Plänen von Isidor Canevale fertiggestellt. Es ist das bedeutendste Beispiel klassizistischer Architektur in Wien und ein wichtiges Zeugnis der Aufklärung in Österreich. In Zusammenhang mit der Gründung des Allgemeinen Krankenhauses und der Errichtung des »Narrenturmes« entstanden innerhalb eines Jahrzehnts umfassende medizinische und wissenschaftliche Einrichtungen, die gleichzeitig wesentliche städtebauliche Elemente bilden, die die Stadt Wien bis heute prägen.
Das Josephinum beherbergt die weltberühmte, aus ca. 1.200 Präparaten bestehende Wachsmodellsammlung, die Joseph II in Florenz für die neu gegründete Akademie in Auftrag gab, die josephinische Bibliothek mit medizinischen Schriften und Publikationen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, sowie zahlreiche weitere Sammlungen der Medizinischen Universität Wien, die die Geschichte der Medizin und den großen Beitrag der Wiener Schule der Medizin dokumentieren.
Das Josephinum ist das historische Eingangstor zur Medizinischen Universität Wien und ist auch heute ein wichtiger Ort für Austausch, Lehre und Forschung.

Quelle: http://www.josephinum.ac.at/josephinum/

Während meines Studiums vor Wachsmodellen im Josephinum fiel mir auf, dass jede Verwinkelung, jede Krümmung, Verdickung und jede Biegung der Knochen, jede einzelne Sehne ihre eigenen Funktionen erfüllen, kein Teil ist überflüssig, alles ist bis ins kleinste Detail perfekt zueinander aufgebaut um die bestmögliche Funktionalität zu gewährleisten.
Wenn man unsere Erde als lebendiges und funktionierendes Ökosystem betrachtet, welches Leben hervorbringt, sich bewegt und stets wandelt, verschiedenste physikalische und chemische Prozesse durchläuft, liegt es nahe, den Planeten an sich als lebendigen Organismus anzusehen.

Wenn also nichts in der Natur umsonst ist, wenn Abhängigkeiten bestehen, bei welchen auch nur die geringste Abweichung von der Norm eine Kettenreaktion von Prozessen in Gang setzen kann, welche ganze Ökosysteme verändern, so erscheint der Gedanke des Bohrens nach Erdöl und des nachfolgenden Hineinpumpens von Chemikalien unter die Erdoberfläche, sowie das anschließende Hinausblasen der verbrannten Chemikalien in die Atmosphäre als absurd, wenn man bedenkt, dass die Menschheit noch immer recht wenig über die Funktion der Erdölfelder weiß, welche im Großen und Ganzen lediglich als Ablagerungen aus Verwesungsprozessen betrachtet werden und ihnen jede weitere Funktionalität abgesprochen wird.
Diesen Gedanken nahm ich als Anlass, das Gemälde „peak oil“ anzufertigen, welches die Abhängigkeit der Technik von der natürlichen Ressource thematisiert, wo das Öl als Blut der Erde das Herz unserer Zivilisation zum Schlagen bringt.

 

peak oil Katharina Teresidi

peak oil, acrylic on canvas, 90 x 120 cm, 2019

peak oil detail2 Katharina Teresidi

peak oil, detail

Lycoris radiata ist die Rote Spinnenlilie.
Sie stammt ursprünglich aus China und bevölkerte in frühen
Jahren Japan und den Rest Asiens. In der
Japanischen und Chinesischen Kultur hat diese Blume spezielle
Bedeutungen.

Die rote Spinnenlilie wird auch „Blume des anderen Ufers“ bzw.
Blume des Paradieses“ genannt. In Japan ist sie auch als
Tagundnachtgleiche-Blume bezeichnet, wobei sie dabei den
beiläufigen Namen „Blume der Toten“ bekam.

In der Chinesischen Kultur blüht sie 3 tage vor und 3 Tage nach
der Tagundnachtgleiche, auch „anderes Ufer“ genannt.

Man sagt in der Unterwelt gäbe es einen Fluss, den vergessenen
Fluss, ähnlich des Flusses Styx aus der griechischen Mythologie.
Wenn die Toten den Fluss überqueren um auf die andere Seite
zu kommen, dann verlieren sie all ihre Erinnerungen an ihr
vergangenes Leben. Am Ufer wachsen die roten Spinnenlilien.
Die Legende besagt, das ihr Duft all die schönen Erinnerungen
des Lebens ein letztes Mal zurück bringt, bevor die Toten
auf der anderen Seite für immer verschwinden.

Quelle: https://www.akaichou.de/thread.php?postid=46212

red spider lillies, Rote Spinnenlillien Katharina Teresidi

red spider lilies, acrylic on canvas, 120 x 90 cm, 2019

red spider lilies, Rote Spinnenlillien Detail

red spider lilies, detail

detail red spider lilies, Rote Spinnenlillien, Katharina Teresidi

red spider lilies, detail

3 Gemälde der Herzserie (Nebenserie): „heart 1“, „aus den Tiefen2“, „heart3 – instrument“

Die Serie der Herzen entstand im Zuge der Zuwendung meiner Aufmerksamkeit auf die wichtigsten inneren Organe des menschlichen Körpers. Das Gemälde „aus den Tiefen2“ wurde im Zuge der Neueröffnung der Galerie Daliko Ende Mai 2019 in Krems ausgestellt. Vom 18-27 Oktober 2019 ist es in der Biennale Florenz zu sehen.

 

from the depth2, Katharina Teresidi, Aus den Tiefen2

from the depth2, acrylic on canvas, 50 x 50 cm

from the depth2 deail Katharina Teresidi, Aus den Tiefen2

from the depth2, detail

heart1 Katharina Teresidi

heart1, acrylic on canvas, 50 c 50 cm, 2019

heart1_detail Katharina Teresidi

heart1 detail

heart3 - instrument Katharina Teresidi

heart3 – instrument, acrylic on canvas, 50 c 50 cm, 2019

heart3 - instrument detail

heart3 – instrument detail

Vorschau Bild Nr.4 der Hauptserie

mind, Katharina Teresidi

without title yet, small section, detail, 90 x 120 cm, acrylic and red chalk on canvas, 2019

Vorskizzen und Studien zu den Gemälden

natural technology sketch1 Katharina Teresidi life touch

sketch for the painting life touch, detail

natural technology sketch 2 sunflower Katharina Teresidi

sketch of a sunflower for the painting life touch, detail

sketch3 natural technology Katharina Teresidi life touch

sketch for the painting life touch, detail, pencil on transparent- and common paper

skeich5 Katharina Teresidi_life touch

sketch for the painting life touch, detail, pencil on paper

sketch6_red spider lilies_Katharina Teresidi

searching for the right position of the body for the painting red spider lilies, detail, pencil on paper

sketch8_main series_Katharina Teresidi

experimenting with some sketches of the newest painting Nr.4 of the main series

sketch9_natural technology_Katharina Teresidi

experimenting with diverse sketches

 

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