Gemäldeserie „Innerer Wandlungsprozess oder die Reise zum Nordpol“

Eisige Berghöhen und tiefes, klares, kaltes Wasser, bedeckt von schmelzenden Eisschollen, während der weiße Schnee das Sonnenlicht blendend zurückwirft – ein klarer Einblick in ein unbewusstes Universum.

 

Eisberg_Teresidi_2018
Nr.10 Growler 95 x 135 cm, acrylic on canvas

Im Zuge des Umzuges von Linz nach Wien nach meiner Diplomierung an der Kunstuniversität Linz befand ich mich vor einer künstlerischen Blockade, die so lange andauerte, bis ich mich entschloss, die Wand, vor der ich innerlich stand, zu malen. Dabei entdeckte ich, dass diese Wand eine Felswand war und wenn ich einen Schritt zurücktrat, der dazugehörende eisige Berg immer deutlicher vor meinem Inneren Auge in Erscheinung trat. Im Zuge des Malprozesses eröffnete sich mir eine weite Eislandschaft mit hohen Bergen und tiefen, kalten Gewässern – Erscheinungen, durch die das Unbewusste wohl die energetische Amplitude versinnbildlichen wollte, die ich zu dieser Zeit innerlich durchlebte. Ich merkte, dass ich mich am Nordpol befand.

Um die Struktur des Eises besser zu verstehen, studierte ich zahlreiche Gletscherdarstellungen und Variationen schmelzender Eisberge. Meine künstlerische Arbeit stieß mich zunehmend auf die Thematik zahlreicher Transformationsprozesse unserer Umwelt und der sich beschleunigenden Veränderungen auf unserem Planeten. Das Schmelzen der Eiskappen, das sich Zurückziehen jahrhundertealter Gletscher aus den Alpenhöhen, der winterliche Ausfall an Schnee in den Skigebieten, welcher die Erzeugung von Kunstschnee durch Schneekanonen erfordert, sind Begleiterscheinungen sich ankündigender neuer Lebensumstände.

Mein Innerer Wandlungsprozess vollzog sich über mehrere Monate, in denen ich wie durch verschieden große Fenster, auf Leinwänden reichend von 30 x 40 cm bis 120 x 184 cm, diese sonderbar deutliche innere Wandlung visualisierte und nebenher Texte über die aufkommenden Erkenntnisse auf dieser Reise schrieb, teils um meine Eindrücke in der Zeit einzufrieren, teils um mir der weiten inneren Welt bewusst zu werden, der laut Carl Gustav Jung, jeder Mensch anteilig ist, ohne es gänzlich zu realisieren – nur ab und zu erhaschen wir einen Blick darauf in unseren Träumen.

„It is, in fact, one of the most important tasks of psychic hygiene to pay continual attention to the symptomatology of unconscious contents and processes, for the good reason that the conscious mind is always in danger of becoming one-sided, of keeping to well-worn paths and getting stuck in blind alleys. The complementary and compensating function of the unconscious ensures that these dangers, which are especially great in neurosis, can in some measure be avoided“

 

„The more numerous and the more significant the unconscious contents which are assimilated to the ego, the closer the approximation of the ego to the self, even though this approximation must be a neverending process.“

 

„The psychic phenomenon cannot be grapsed in its totality by the intellect, for it consists not only of meaning but also of value, and this depends on the intensity of the acccompanying feelingtones.“

-C.G.Jung, Aion, S.20,24ff

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