Cyborg Mercury

Biologische Züchtungen, genetische Manipulationen und die Verschmelzung von Biologie und Technologie, sollten sie gelingen, werden uns in Zukunft vor neue Wertefragen stellen und uns zur Revision unserer Weltbilder Anlass geben.

 

Mercury_Teresidi
Nr.58 Cyborg Mercury ca. 120 x 95 cm, acrylic on canvas

Im Zuge anatomischer Studien vor lebensgetreuen Wachsmodellen im Josephinum Wien wurde mein Eindruck vom organischen Körper als perfekte Maschine verfestigt, worauf die Fragestellung nach der Möglichkeit ihres Nachbaus folgte. Sollte es in naher oder ferner Zukunft humanoide Roboter geben – würden sie dann lediglich die Arbeitsfunktionen übernehmen, oder sich in alle Lebensbereiche einschalten, mit der organischen Welt untrennbar verschmelzen und eines Tages selbst, als Cyborgs, lebenswichtige medizinische Aufgaben übernehmen, wie bsp. die Aufzucht oder das Austragen von modellierten Wunschkindern? Wie wären wohl solche Babys beschaffen? Ob es realistisch ist, dass die Wissenschaftler den Gencode zur Gänze entziffern und die neue Technologie nach Wunsch ins biologische Leben implementieren? Welche Folgen hätte das für den dadurch erschaffenen Körper, aber auch für die damit verbundene Psyche, den Geist und den Verstand? Welche Beschaffenheit und welche Wertigkeit hätten diese Komponenten des menschlichen Seins in einem solchen denkbaren Szenario?

Das Gemälde „Cyborg Mercury“ ist das visualisierte Ergebnis dieser Fragestellungen und zeigt eine humanoide Embryoform, sich noch im Brutgefäß – dem Mutterbauch eines Cyborgs – befindend, einen Tropfen Quecksilber umfassend und schwebend über dem Wasser des kollektiven Bewusstseins. Damit betont das Gemölde vor allem die Frage, ob die erzeugten biologischen Formen und Cyborgs immer noch als menschlich einzustufen wären, oder würden wir ein Gefäß züchten, welches von Energien eingenommen werden kann, die sich vom menschlichen Bewusstsein wie Quecksilber von Wasser unterscheiden?

 

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